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Was die Fotografie zu Fine Art macht

Die Fotografie hat viele Zwecke, eine davon ist die Schaffung von Kunstfotografien oder sog. “Fine Art Fotografie”, wie ich es hier in diesem Beitrag beschreibe. Fotografie kann zur Aufzeichnung und Dokumentation von Ereignissen, zur Erfassung persönlicher Erinnerungen, für Werbung und vielem mehr verwendet werden. Doch von all diesen Verwendungen, ist keine davon als Fine Art Fotografie gedacht.

Fine Art ist eine Kunstform, die ausschliesslich der ästhetischen Verwirklichung einer Vision dient. Diese Form der Fotografie ist nicht so verbreitet. Das Erstellen von solcher Fotografie ist oftmals teuer. Diese Kosten können nur durch höhere Preise erstattet werden. Für mich ist Fine Art Fotografie vor allem auch ein Qualitätsmerkmal und nicht zwingend ein Stilbegriff.

Leider behaupten einige Fotografen, dass ihre Arbeit Fine Art ist, obwohl sie nicht diesen Qualitätsstandards entspricht.

Dies hat unter anderem zu einem allgemeinen Missverständnis darüber geführt, was Fine Art Fotografie wirklich ist. Weiter entsteht die Fine Art Fotografie nicht in Auftragsarbeit, wenn durch Vorgaben der Auftragsgeber zu wenig Spielraum für den Fotografen verbleibt, eigene Ideen und Inspiration umzusetzen.

Hinzu kommt, dass Unterschiede zwischen Fotografie und Kunst verschwommen sein können. Fine Art ist auch kein geschützter Begriff, demzufolge kann es verschiedene Interpretationen geben. Ich denke aber trotzdem, dass man hierzu ein paar Dinge erklären kann. Ich weise bei diesem Artikel darauf hin, dass es bestimmt auch andere Ansichten gibt. Es ist selbstverständlich, dass nicht jeder allem zustimmen wird und dass gewisse Dinge auch als Meinung, denn als fixe Tatsachen zu betrachten sind. Es gibt aber auch wirklich objektive Kriterien, wonach sich diese Art der Fotografie richtet. Ich beschloss, mich mit diesem Thema zu befassen.

In den folgenden Abschnitten zeige ich auf welchen Bausteinen die Fine Art Fotografie aufbaut.

Sich selbst als Fine Art Fotograf betrachten

Als Fotograf muss man sich selbst auch als Fine Art Fotograf betrachten, um diesem Anspruch zu folgen. Es wäre schwierig, Fine Art Fotografien zu schaffen, ohne seine Fotografie darauf einzustellen. Damit befasst man sich direkt und erstellt eine Aussage als Fine Art Fotograf. Man wird nicht als Fine Art Fotograf geboren. Erfahrung, Vorgehensweise, Ziele und Arbeit sind Dinge, die es zu reflektieren gibt. Dann erst kann man über sich eine Aussage treffen und eine stetige Entwicklung vorantreiben.

Fine Art Vision

Der Fotograf selbst ist das wichtigste Element in der Schaffung von Kunst. Bevor die Fotografie zu einer Kunstform werden kann, braucht es eine Vision, wie seine Arbeit aussehen soll und was sie auszeichnet. Als Fine Art Fotograf kann und wird man oft während seiner fotografischen Laufbahn mit verschiedenen Themengebieten arbeiten, einiges ausprobieren, wobei man eine Anzahl verschiedener Techniken und möglicherweise eine Vielzahl von Herangehensweise oder Werkzeug verwendet. Ziel ist es irgendwann eine klare Vision zu haben und damit Bilder als Kunstwerk zu schaffen. Zur Erreichung dieses Ziels verbinden sich im Idealfall Fotograf, Thema, Technik und Umsetzung zu einem stimmungsvollen Fine Art Bild.

Der Künstler kontrolliert den gesamten kreativen Prozess bis zum Endergebnis

Erst wenn der Fotograf sein Bestes für das Ergebnis seiner Arbeit gibt, kann es vollendet sein. Einzig durch bewusstes Arbeiten, Kontrolle, Persönlichkeit, Inspiration und Leidenschaft, kann etwas kunstvolles entstehen. Es ist ein Ausdruck davon, wie der Fine Art Fotograf die Welt betrachtet. Fine Art ist kein Schnappschuss. Vieles ist geplant und sorgfältig durchgeführt. Es wird auf jedes Detail geachtet. Auch die Aufnahme wird geplant, um die bestmöglichen Bedingungen vorzufinden. Es läuft oft auch darauf hinaus, schon vorher zu wissen, wie das Bild am Ende aussehen soll.

Wenn der Fotograf diese Kontrolle für seine Produktion übernimmt, entsteht höheres handwerkliches Können. Ein Fine-Art-Foto zu erstellen bedeutet, ein Bild zu erstellen, das über ein fotografiertes Motiv hinausgeht. Es bedeutet, ein Bild zu schaffen, das eine persönliche Vision, eine Botschaft teilt. Das Foto zeigt im Idealfall nicht nur, was vor der Kamera war, es sollte auch zeigen, was der Fotograf fühlte.

Da Fotografien rein visuell sind, muss dieser emotionale Inhalt visuell ausgedrückt werden. Dies geschieht durch verschiedene Mittel: die Zusammensetzung des Bildes, die Wahl des Bildformats, eventuelles Zuschneiden des Originalfotos und der gesamte Bildbearbeitungprozess. Diese Arbeitsabläufe muss der Fine Art Fotograf sehr gut beherrschen, damit auch das Endresultat einem hohen ästhetischen Anspruch entspricht.

Der Schwerpunkt liegt auf Qualität statt Quantität

Bei der Erstellung von Fine Art Fotografie muss der Schwerpunkt auf Qualität und nicht auf Quantität gelegt werden. Dieser Ansatz soll jeden Aspekt der Bemühungen des Fotografen durchdringen. Dies liegt daran, dass der Prozess der Schaffung von etwas hochwertig kunstvollem durch tiefgründiges Denken, bewusstes Handeln und Aufmerksamkeit Arbeitsschritt gekennzeichnet ist. Jedes Detail ist dabei wichtig. So führt dieser Prozess automatisch zu einer kleineren Anzahl von hergestellten, qualitativ hochwertigen Fotografien. Der Schwerpunkt liegt niemals auf der Massenproduktion identischer Objekte. Nur durch diese Begrenzung kann die Qualität hoch gehalten werden.

Kostenüberlegungen sind zweitrangig

Bei der Erstellung von Fine Art Fotografie geht es also in erster Linie um Qualität. Kosten, sei es die Ihrer Ausrüstung (Kameras, Objektive, Computer, etc.) oder auch Papier, Tinte, Rahmen usw. sind grundsätzlich zweitrangig. Es geht nicht darum Geld zu sparen, indem man günstigere Geräte oder Zubehör kauft. Geht es um Ausrüstung, die der Bildqualität oder des Schaffens dienen, geht man keine Kompromisse ein.

Es geht darum, das Bestmögliche unabhängig von den Kosten zu schaffen. Während wir alle eine Grenze haben, wie viel wir für unsere Kunst ausgeben können, müssen die Kostenanliegen hierzu an zweiter Stelle stehen.

Technik

Grundsätzlich gilt, der Fotograf kreiert das Bild, nicht die Kamera. Diese Aussage hat absolute Gültigkeit und ist auch die Basis hinter jedem kreierten Bild.

Doch braucht es für absolute Spitzenergebnisse auch das entsprechende Equipment. Es setzt ebenso voraus, dass man sein Werkzeug kennt und weiss wie man im gesamten Bildprozess das Optimum herausholt. Da das Schaffen eines hochwertigen Fine Art Bildes im Fokus steht, ist auch die Technik die gebraucht wird, um exakte Details über den gesamten Bildbereich zu erhalten ein wesentlicher Faktor der Fine Art Fotografie.

Fazit

Es gibt also einige Aspekte, die es benötigt um fotografische Arbeiten auch als Fine Art zu bezeichnen. Aus meiner Sicht wird Fine Art Fotografie zudem oft auch in Verbindung mit einer etwas minimalistischen Fotografie gebracht. Ich denke das muss nicht zwingend sein, weil das ein Stil sein kann und noch kein zwingendes Merkmal dafür ist. Die anspruchsvolle Fotografie besteht aber dennnoch oft durch eine gewisse Reduktion in der Bildgestaltung. Gerade ein Fine Art Landschaftsbild muss nicht in erster Linie mit feuerrotem Himmel oder einem super Sonnenaufgang glänzen, sondern durch seine Aussage und Inhalt über das gesamte Bild. Bildgestaltung und hochwertige Umsetzung müssen in allen Details überzeugen.

Das Wort “Fine Art” setzt sich auch in den Prints fort. Dazu habe ich bereits einmal einen Beitrag verfasst: https://0816fotograf.com/2017/09/19/fine-art-fotografie/

 

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  1. Ein sehr schöner Artikel Oli – das ging aber schnell! 🙂 Bin mir Dir weitgehend einverstanden – nur in einem Punkt würde ich differieren: Die technisch/qualitative Perfektion ist nicht unbedingt Voraussetzung – ich könnte mir auch vorstellen, mit Lomographie Fine Art Fotografie zu machen! 😉 Allerdings beim Endprodukt (Papier Rahmen etc.) gehe ich mit Dir ganz einig: da muss alles stimmen. Danke für Deinen Artikel!!

    • Lieber Reto. Manchmal ist man im Flow.. :). Natürlich kann man auch mit Lomographie etwas kunstvolles schaffen. Auch das kann man in seiner Art qualitativ hochstehend machen. Um das geht es vor allem auch. Herzlichen Dank für dein Lesen und Feedback. Lg, Oliver

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