Landschaftsfotografie im Mittelformat

Gerade als Landschaftsfotograf legt man sehr oft grossen Wert auf hohe Bildqualität. Da bin ich keine Ausnahme. Ich bin darauf bedacht, mit fotografischem Werkzeug zu fotografieren, das es mir erlaubt in jeder Wettersituation zu arbeiten und das höchste Abbildungsleistung auch für Grossformatige Umsetzungen bietet.

Das Foto soll vor allem in gedruckter Grösse gut aussehen. Ein gedrucktes Foto mit einem Meter Breite oder mehr ist einfach etwas anderes, als es auf dem Bildschirm mit ungefähr 1’200 Pixel Breite zu betrachten. Ein solcher Druck ist um einiges beeindruckender und erst dann kommt die Qualität der Aufnahme vollends zur Geltung. Über Jahre arbeitete ich mit dem Besten was das digitale Vollformat (Kleinbild) zu bieten hatte. Im Weitwinkelbereich vor allem mit Objektiven von Zeiss. 2015 wechselte ich auf ein kleineres und kompakteres spiegelloses System im APS-C Bereich (Fujifilm). Das gab mir gewisse Vorteile, aber vor allem hatte ich ein Werkzeug mit dem ich sehr effizient unterwegs bin und die Qualität ebenso stimmte. Später ebnete es mir den Weg zum Fujifilm X-Photographer. Als Fujifilm im Herbst 2016 die erste spiegellose Mittelformatkamera (GFX 50s) ankündigte und Anfang 2017 einführte, war für mich sofort klar, dass dies mein zukünftiges System ist.

Warum Mittelformat?

Schon früher schaute ich aufgrund der maximal möglichen Bildqualität zum Mittelformat hin. Das Mittelformat war jedoch damals für mich noch nicht erstrebenswert und machte (noch) keinen Sinn. Vor allem weil die meisten Kameras der Mittelformatklasse in einer anderen preislichen Sphäre spielten und es dazu für meine damaligen Verwendungen keine Option war. Eine solche Kamera ist nach wie vor eher ein Spezial-Werkzeug mit dem man kompromisslose Bildqualität fordert. Man kann es für gewisse Einsatzgebiete gezielt einsetzen, es ist aber bisher kein Werkzeug für alle alltäglichen fotografischen Einsätze. Dafür ist es auch nicht gedacht. Will man aber das Maximum in einem Bild herausholen, kommt man auch heute kaum an einer Mittelformatkamera vorbei. Dies liegt besonders auch an der Grösse des Sensors.

Die Einführung der Fujifilm GFX 50s verschob aber ein paar vorher dagewesene Hürden. Diese Mittelformat-Kamera ist als Werkzeug auch für den Einsatz draussen gebaut (wetterfest) und dank spiegellosem System konnte man sie kompakter bauen, damit sie nicht grösser und schwerer als bekannte Kleinbild-Kameras ist. Hinzu kommt noch der nun attraktive Preis. Für mich gibt es folgende ausschlaggebende Vorteile, warum Mittelformat für Landschaftsfotografie:

  • Mit Mittelformat kann man neue Wege in der Landschaftsfotografie beschreiten. Die Fotografie mit Mittelformat hat mir zudem neue Inspiration gegeben und auch die Vorgehensweise beeinflusst. Das nicht nur während der Aufnahme, sondern auch bezüglich des Bewusstseins.
  • Die aussergewöhnliche Bildqualität allgemein und speziell im Weitwinkelbereich. Knackige Schärfe über den gesamten Bildbereich bis in die Ecken geniesst man nur im Mittelformat. Ich besitze einzig eine Festbrennweite, das GF 23mm F4 (entspricht 18mm bei Kleinbildformat). Mit diesem Objektiv mache ich meine Bilder ohne Einschränkung. Es liefert darüber hinaus sehr natürlich wirkende Bilder im Weitwinkel-Bereich.
  • Auflösung, Farbe und Kontrastumfang sowie Dynamikumfang. Speziell die naturgetreue Farbwiedergabe der Bilddaten, sowie die extrem feinen Farbverläufe und Tonwerte eines solchen Sensors begeistern mich immer wieder
  • Das Bildformat 4:3: Dieses Bildformat gibt mir oftmals noch mehr Bildinhalt im Himmel oder Vordergrund, was der Bildkomposition und deren Wirkung zu Gute kommt. Hinzu kann man bei der Fujifilm GFX das aus analogen Zeiten bekannte X-Pan (Panoramaformat 6×17 resp. 65×24) verwenden. Mit diesem eingestellten Bildformat erlaubt es mir, ein Panorama-Bild direkt im Sucher zu sehen und so als Einzelbild aufzunehmen. Das hat einige Vorteile in der Bildgestaltung vor Ort. Für mich eine grosse Bereicherung und ein wunderbares Bildformat.
  • Der besondere Mittelformat-Look. Man kann ihn nicht so leicht in Worte fassen, jedoch zeigt meine Erfahrung im Vergleich zu Kameras mit kleineren Sensoren einen Unterschied in der Bildwirkung. Man könnte sagen es wirkt alles ein wenig intensiver und zugleich sehr natürlich.
  • Es erlaubt ein gewisses Wiedererkennungsmerkmal zu schaffen. Natürlich kann man dasselbe tun, was viele andere Landschaftsfotografen auch tun, doch es gibt selbst dann noch eine erweiterte emotionale Sicht.

Dieser Beitrag beruht auf meinen Erfahrungen und Einschätzungen, die ich nun in einem Jahr mit Mittelformat für meine Landschaftsfotografie gemacht habe. Natürlich haben auch andere Sensorgrössen Ihre Vorteile. Für meine Bedürfnisse überwiegen die Vorteile von Mittelformat gerade mit einem solch kompakten spiegellosen System um ein Vielfaches.