Madeira mit der Fujifilm GFX

Landschaftsfotografie Erfahrung mit der Fujifilm GFX

Wie in meinem letzten Beitrag von Madeira beschrieben, reiste ich für 5 Tage nach Madeira um erste praxisnahe Erfahrungen in der Landschaftsfotografie mit der neuen Mittelformatkamera „Fujifilm GFX 50s“ zu machen. Der Erfahrungsbericht sowie die Einschätzung über die Kamera dann weiter unten in diesem Bericht. Madeira ist vor allem durch seine grüne Vegetation und auch als Insel zum Wandern bekannt. Grün ist es insbesondere in Bergen und Wäldern, welche die Insel in Nord und Süd teilen. Auf dem Norden ist es regnerischer und tendenziell etwas kühler, der Süden hingegen hat mehr Sonne. Das Wasser aus dem Norden wird mit Hilfe der Wasserkanälen (Levadas) in den Süden transportiert.

Lorbeerwald (Laurisilva)

In den fünf Tagen war unter anderem eines meiner Foto-Ziele der Lorbeerwald, auch Laurisilva genannt. Der Lorbeeerwald in Madeira gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Bedingt durch den Nebelniederschlag sind diese Wälder sehr feucht. Mich faszinieren solche grünen Bäume, die mit Moos bewachsenen knorrigen Äste. Das feuchte Klima und und der Nebel tragen dazu bei, dass es dort oft auch etwas mystisch wirkt. Das war genau eines der Bilder die ich im Kopf hatte. Mystische Nebelstimmung und mehr habe ich dann auch angetroffen. Zuerst war es wie erwartet, ein nebelverhangener Tag und sehr feuchte Luft. Doch bereits etwas später, nachdem ich erste Fotos gemacht hatte und dem Weg entlang lief, setzte sich innerhalb eines kurzen Momentes die Sonne durch. In solchen Situationen ändert sich das Licht sehr schnell. Das Bild sollte also schnell gemacht sein, bevor das Schauspiel bereits wieder vorüber ist! Beim Bild mit der Wegtreppe konnte ich innert Sekunden die Kamera auf das Stativ stellen, kurz einstellen und abdrücken. Bereits beim dritten Auslöser innerhalb rund 10 Sekunden, war der Nebeldunst schon fast komplett weg! In der Landschaftsfotografie und so auch in meiner Fotografie ist normalerweise vieles Teil einer Planung. Doch solche Stimmungen geschehen manchmal einfach und sind an keinen Standort gebunden und auch nicht planbar. Da gilt es zu fotografieren was man vorfindet und hat auch keine grosse Zeit mehr um lange Einstellungen oder Komposition zu planen. Aber genau diese Momente machen die Fotografie eben spannend und lebendig und liebe ich ebenso.

Ostküste

Eines meiner weiteren geplanten Fotospots war ganz am Ende der Ostküste bei Ponta de São Lourenço. Dort gibt es ein auf einem der Hügel einen Aussichtspunkt, an dem man an dem einen fantastischen Blick auf den Atlantik und über die vulkanischen Gesteinsformationen zum Ende der Küste hat. Die Küste verläuft in einem Bogen und gibt dem Bild eine Tiefenwirkung. Ich hatte hier ein Bild im Kopf bei aufgehender Sonne die dann nach Berechnung ziemlich genau etwas rechts von der Mitte am Ende der Küste hochgeht. Am liebsten noch ein paar farbig angeleuchtete kleine Wolken am Himmel. Nun ist das Wetter ein Element das nicht planbar ist. Am ersten Morgen suchte ich noch bei Dunkelheit vergebens nach dem geeigneten Standpunkt und hatte mich wohl auch in der Recherche um einen Hügel vertan. Nachdem ich die beim einen Hügel im Eiltempo hochging und wieder runter zum nächsten, bemerkte ich dann leider erst zu späterem Tagesanbruch, wo die eigentlich gesuchte Stelle war. Ich nahm dann eben ein anderer Spot zum Fotografieren. Aber ich beschloss am nächsten letzt möglichen Morgen gleich noch einmal einen Versuch zu starten. Dort war ich dann auch pünktlich oben auf dem Aussichtspunkt und wartete darauf dass sich die Wolken lichteten. Doch leider ging mein Wunsch nicht in Erfüllung und die Sonne kam nicht hervor. Um eine dritte Chance zu haben, muss ich einfach dann irgendwann nochmals nach Madeira;).

Wasserfall

Zu so viel Grün und auch immer mal wieder Regen im Norden, muss es auch Wasser geben. Bei einer Wanderung im Caldeirhao Verde begegnete ich auch solchen. Diese ist wirklich wunderschön und ein Genuss.

Pico Arieiro

Am Abend vor der Heimreise besuchte ich noch den Pico Arieiro (1’818 m). Neben dem Pico Ruivo (1’862 m) der zweithöchste Berg auf der Insel. Hier hatte ich nicht ganz mein gewünschtes Wetter. An diesem Abend war es zu trocken, somit gab es kein erhoffter Nebeldunst. Doch ein wenig Farbe am Himmel und das letzte goldene Licht im Vordergrund ergeben ein sanftes Stimmungsbild.

Meine Erfahrungen mit der Fujifilm GFX

Für mich ist eine Fujifilm Kamera kein Neuland mehr und ich kenne die Bedienung und Eigenheiten der bisherigen Kameras der X-Serie bereits sehr gut. Da sich die Fujifilm GFX vom Bedienkonzept nah an diese anlehnt, war sie sehr rasch eingestellt und alle Bedienungsknöpfe dort wo ich sie mir meist auch schon gewohnt bin. Die Kamera hat dann aber schon einige andere Merkmale. Der ganz wichtige Unterschied ist der grosse Mittelformat-Sensor. Am meisten war ich also gespannt wie es sich anfühlt mit einem so grossen Sensor zu arbeiten. Das Fotografieren mit diesem Sensor bedeutet auch ein viel kleinerer Schärfentiefenbereich als z. Bsp. bei einer Kamera mit APS-C Sensor. Man muss also die Hyperfokale resp. den Schärfebereich noch genauer im beachten und präzises Arbeiten ist unausweichlich. Da es bisher noch kein Ultra-Weitwinkel Objektiv zu dieser Kamera gibt, hatte ich standardmässig das Zoom-Objektiv 32-64mm f/4 drauf. Dies entspricht bei Kleinbild 25-50mm. Für mich als Landschaftsfotograf sind 25mm Weitwinkel in Ordnung, aber die spektakulären Weitwinkel-Dynamiken sind damit eher weniger zu bewerkstelligen. Dafür freue ich mich auf das bald kommende Fujifilm GF 23mm (18mm bei 35mm KB).

Was ich an dieser Kamera ganz besonders mag, ist zum einen natürlich das kompakte Mass und Gewicht für eine Mittelformatkamera (740g ohne EVF, Batterie etc.). Für die Verwendung in der Outdoor  Landschaftsfotografie sehe ich ganz ausserordentliche Vorteile: komplett abgedichtetes Gehäuse und auch alle Objektive sind Spritzwassergeschützt und weiter ist auch der Bajonettanschluss zum Objektiv abgedichtet! Die Erfahrung was das wert ist hatte ich ja bereits im vorherigen Bericht von Madeira erzählt. Weiter ist es praktisch, dass man den EVF (Electronic View Finder) abnehmen kann und so gerade für die Fotografie in der Landschaft Platz spart. Ich hatte den EVF aber zusätzlich immer dabei und wenn man dann das Bild einmal ganz präzis durch den Sucher ansehen will, kann man ihn leicht draufstecken.

Ein weiterer Pluspunkt, das ich bisher noch an keiner Kamera hatte, ist die Kamerainterne Belichtungszeit: Diese kann man wenn man auf „T“ ist, bis zu 60 Minuten manuell einstellen – genial für längere Belichtungszeiten! Bei den allermeisten Kameras ist bei 30 Sekunden Schluss. Somit brauch ich mir also nicht mehr weiter über externe Fernauslöser Gedanken machen. Auch auf Madeira hab ich diese Funktion ein paar Mal sehr geschätzt.

Das Aufnahme-Bildformat
4:3 Sensor-Format (43.8 x 32.9mm) mit 51,4 MP Auflösung

Bei der GFX kann man zwischen verschiedenen Aufnahme-Formaten entscheiden (3:2, 16:9, 1:1 etc..). Das original Format mit RAW ist 4:3. Ich hab mich also im Gegensatz zu einem mir bisher gewohnten 3:2 umgestellt. Ohne Vorurteile wollte ich auch auf Madeira die Bilder direkt in diesem nativen Format aufnehmen. Natürlich hat man im Nachgang noch mehr als genügend Reserve in der Bildauflösung, um die dann auf 3:2 oder auch anders zu beschneiden. Ich fand es interessant wie es damit möglich ist, die Bilder zu komponieren. Hochformat-Aufnahmen sind damit sogar oftmals bevorteilt wie ich finde. Im Querformat läuft es wohl dann doch häufig darauf hinaus, dass man später etwas am Himmel oder Vordergrund beschneidet.

Die Detailauflösung der Bilder ist einfach umwerfend. Wenn man damit auch ab und zu grössere Abzüge macht, zeigen diese Details noch einmal Wirkung.

Dynamikumfang der Fujifilm GFX 50s

Insbesondere für die Landschaftsfotografie spricht man rasch vom Dynamikumfang einer Kamera. Hier wird meist die Blendendynamik der Kamera gemeint, denn dies ist auch oftmals in der Landschaft gefordert. In der Landschaft ist man fast immer mit hellen Bereichen (z. Bsp. Himmel) und dunkle Bereiche (z. Bsp. Schatten im Vordergrund) konfrontiert. Daher können Kameras mit einer hohen Blendendynamik diesen Lichtunterschied besser abbilden. Natürlich helfen im Extremfall Verlauffilter, mit denen man die Grenze der Kamera wieder ausgleichen kann.

Was kann hier die Fujifilm GFX? Meine Praxiserfahrung zeigt, dass sie auf extrem hohen Niveau ist und nach inoffizieller Messung von Hanspeter Gass von The Fabulous View Photography hat sie sogar 2,2 Blenden mehr Dynamik als beim bisher gewohnten Spitzenmodell in diesem Bereich (Nikon D810). Insbesondere in den dunkel Bereichen hat sie nochmals mehr Bildinformationen die man in der Bearbeitung hervorholen kann. Ich stelle jetzt hier bewusst keine Beispielbilder rein. Denn obwohl ich nun weiss, dass ich in den dunklen Bereichen von dieser Kamera extrem viel in der Nachbearbeitung hervorholen kann, will ich trotzdem das Bild bereits vor Ort möglichst ausgewogen belichten. Es hilft dann einfach bei Extrem-Situationen.

Gibt es Schwächen?

Bei der Entwicklung dieser Kamera wurde von Beginn sehr viel Wert darauf gelegt, ein Werkzeug für den ambitionierten Fotografen und Profi zu bauen. Das strahlt die Kamera auch aus, wenn man mit ihr arbeitet. Es gibt ein Detail was mir auffiel und ich kritisiere: Das Batteriefach befindet sich nicht unten, sondern an der linken Seite der Kamera. Für Landschaftsfotografen, welche meist den L-Winkel benutzen ist das problematisch. Man kann damit das Batteriefach nicht öffnen, ohne dass der L-Winkel verschoben werden muss. Ich bin gespannt welche Lösung die entsprechenden Hersteller entwickeln, um dieses Problem zu umgehen. Ansonsten wäre einzig noch wünschenswert, dass man die Zeit für den Selbstauslöser selber einstellen kann und so nicht auf die vordefinierten Zeiten von 2 und 10 Sekunden reduziert ist.

Eine Kamera für die bewusste Fotografie

Was für mich eigentlich fast schon vor Madeira bewusst war, hat sich auch grösstenteils bewahrheitet. Arbeitet man mit dieser Kamera präzis, bringt sie allerhöchste Bildqualität und Spass. Das heisst auch ein Stativ ist praktisch Pflicht. Einfach so aus der Hand fotografieren, produziert rasch einmal verwackelte Bilder, ausser man hat eine genügend kurze Verschlusszeit (1/100 sek. im Minimum). Der Grund ist die hohe Auflösung und der grosse Sensor. Zudem wenn man mit Blende f/11 äquivalent zu KB arbeiten will, ist man mit diesem Sensor bereits bei Blende f/16. Das heisst nochmals weniger Licht und dadurch eine längere Verschlusszeit. Beachtet man diese Grundregeln, hat man ein Präzisionswerkzeug mit höchstmöglichem Spassfaktor zur Hand.

Warum Mittelformatkamera für die Landschaftsfotografie?

Eine Mittelformatkamera zielte bisher meist auf andere Kategorien in der Fotografie ab. Fujifilm hat mit der GFX 50s eine Kamera entwickelt, welche nun in neue Domänen wie z. Bsp. der Landschaftsfotografie vorstösst. Nebst der Detailauflösung dank dem Sensor, sowie dem sagenhaften Dynamikumfang und der relativ kleinen Grösse und Robustheit der Kamera, ist dieses Einsatzgebiet mit ihr so attraktiv. Die Kamera untersützt meine sehr bewusste und gezielte Landschaftsfotografie und meine weiteren fotografischen Ziele perfekt. Somit ist die Fujifilm GFX das ideale Werkzeug für die Zukunft. Es ist ein Profi-Werkzeug, das wenn richtig eingesetzt, Spitzenergebnisse abliefert.

Mein Schlussfazit:
Eine Mittelformat-Kamera, die Outdoor- und Landschaftsfotografie neu beflügelt!


Weitere Projekte mit der Fujifilm GFX: Im April wartet ein spannendes Film- und Fotoprojekt in Schottland und im Juni geht es auf die Azoren. Alles dazu auf meiner Webseite: https://www.oliverwehrli.ch/news/


 

7 Gedanken zu “Madeira mit der Fujifilm GFX

  1. Mal abgesehen vom wirklich tollen Erfahrungsbericht mit der Fuji… meine Frau quengelt ja schon seit einiger Zeit endlich mal einen Urlaub auf dieser Insel zu verbringen. Ich war bisher dagegen. BISHER… Wenn ich mir so die Bilder von Dir anschaue – MUSS ich da wohl doch mal hin… Vielen Dank für so eine gelungene Präsentation von Bild und ja-auch – Technik…

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